Netflix bringt mit der zweiten Staffel von *The Four Seasons* eine der gemütlichsten und zugleich treffsichersten Comedy-Serien des Jahres zurück. Das atmosphärische Drama begleitet drei befreundete Paare viermal im Jahr zu besonderen Anlässen und Feiertagen – und zeigt dabei, wie sich Beziehungen im Laufe der Zeit unweigerlich verändern. Die Serie ist sanft, unaufgeregt und ästhetisch ansprechend, ohne dabei an Schärfe zu verlieren.
Im Mittelpunkt steht Tina Fey, Mitschöpferin und Co-Autorin der Serie, in der Rolle der Kate. Sie ist mit Jack (Will Forte) verheiratet, und beide navigieren gemeinsam durch die Ausdauerleistung, die eine jahrzehntelange Ehe darstellt. Colman Domingo spielt Danny mit herrlich bissiger Präzision, der gemeinsam mit seinem Partner Claude (Marco Calvani) die Frage abwägt, ob es mit Mitte fünfzig noch zu spät für Kinder ist.
Ein Neuanfang nach dem Serientod von Steve Carell
Die zweite Staffel muss eine bedeutende Leerstelle füllen: Steve Carell, der in Staffel eins Nick spielte, ist nicht mehr dabei. In der vorletzten Folge der ersten Staffel kam Nick bei einem Autounfall ums Leben und hinterließ eine schwangere Ginny (Erika Henningsen). Carell hat sich inzwischen der HBO-Campus-Dramedy *Rooster* angeschlossen. In Staffel zwei taucht er lediglich in kurzen Rückblenden auf.
An Nicks Stelle rücken nun seine Ex-Frau Anne (Kerri Kenney-Silver) und die junge Witwe Ginny ins Zentrum des Freundeskreises. Die beiden Frauen haben infolge ihres gemeinsamen Verlusts eine ungewöhnliche, aber glaubwürdige Verbindung entwickelt. Diese neue Dynamik verleiht der Serie frische Energie, ohne den vertrauten Ton zu verlassen.
Struktur und Erzählrhythmus: Streaming clever genutzt
Die Serie setzt auf ein cleveres Format: Jedem Zeitraum sind zwei eher kurze Episoden gewidmet, bevor ein Zeitsprung folgt – vom Frühling zum Sommer, vom Herbst zum Winter. Jede Jahreszeit markiert dabei neue Anfänge und spiegelt die Veränderungen im Leben der Charaktere wider. Dieses Konzept nutzt die Eigenheiten des Streamings geschickt aus und verleiht der Serie eine angenehme Dynamik.
Die Serie ist fesselnd, aber nicht dringlich. Es gibt Drama, aber von der sanften Sorte. Beziehungen werden im Laufe des Jahres auf die Probe gestellt – jedoch nicht übermäßig. Damit unterscheidet sich *The Four Seasons* deutlich vom Nihilismus einer Serie wie *The White Lotus*, wo Urlaube regelmäßig zur Hölle werden.
Komik mit Tiefgang – Feys Handschrift ist unverkennbar
Tina Feys Gespür für Komik ist punktgenau. Eine Episode, in der Jack am Strand einen neuen Freund findet, wird als besonders geistreich und gut beobachtet hervorgehoben. Gleichzeitig findet die Serie Momente stiller Tiefgründigkeit: In der Debatte über das Kinderkriegen erkennt Danny, dass ihn im Grunde die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt – worauf sollen sie sich ohne Kind freuen, werden sie einfach für immer ihre Küche renovieren?
Die Trauer über Nicks Tod wird dabei durch absurde Komik entschärft. Die Serie möchte nicht wirklich in die Tiefe gehen, und das ist vollkommen in Ordnung. Das Drehbuch ist präzise, der Ton konsistent, und das Ergebnis ist purer, hochwertiger Eskapismus. Wenn dies eine Midlife-Crisis ist, war sie selten so beruhigend.


